BLICK VON AUSSEN

5 DIPLOMARBEITEN AN DER TU EINDHOVEN (NL) ZU KÖLNER STANDORTEN

 

AUSSTELLUNG  19. MAI – 17. JUNI

ERÖFFNUNG AM DONNERSTAG, DEN 19. Mai, 19 UHR

Diskussion unter Leitung von Anne-Julchen Bernhardt

 

Der Rhein, das Kreuz der Römer Hauptstraßen, der Dom und die Stelle der früheren Stadtmauer aus dem Mittelalter bilden zusammen das Gerüst (oder ‘Schema’) der Kölner Stadtfigur. Die Art wie diese Figur von Architektur artikuliert wird kann als das Resultat eines kontinuierlichen, modernisierenden Weiterbauens verstanden und gelesen werden.

In drei Diplomateliers und ein Masterprojekt der TU Eindhoven, 2011-2015, mit insgesamt 40 Architekturstudenten, wurden Standorte studiert, wo zahlreiche Ideen und Bemühungen ‘eingeschrieben’ sind in der Kölner Stadtfigur, die diese Figur in Zusammenhang mit den Bauten, so wie die Stadt heute gebaut ist, lesbar machen. Die teilweise dagewesene, und teilweise ersehnte, beide eingeschriebene Konzepte sollten, sozusagen, nur zeitgemäß ‘aktiviert’ werden, um die Stadtfigur optimaler gestalten zu können. Fünf Ergebnisse werden hier ausgestellt. Es geht um:

1.) Rudolfplatz und Brückenkopf Deutzer Brücke als Orte wo es gewünscht ist die Ost-West-Achse städtebaulich architektonisch optimaler zu markieren. Die Konturen dafür haben Speer und Partner neu definiert, und in der Weiterbearbeitung sind möglicherweise Faszinationen ein zu beziehen die an beiden Orte ‘eingeschrieben’ sind. Zwei Übungen, um jene Kontouren und veranlagte Ideen architektonisch ‘auszuschreiben’, zeigen die Diplomarbeiten von Yuri Buteyn und Murat Arslan.

2.) Die WDR Bauten in der Innenstadt. Diese könnten viel stärker – als wie sie es heute in das Erlebnis der Stadt leisten – den Klammer bilden zwischen den aktuellen und den historischen Variant von Cardo Maximus in der Kölner Stadtfigur. Die Diplomarbeiten von Thomas Grievink, Sven Jansse und Faye Hermens öffnen dazu eine Perspektive.

Die fünf ausgestellten Diplomarbeiten nehmen die moderne Architektur Kölns aus der Zeit vor und nach dem 2. Weltkrieg als Anregung für das Weiterbauen an der Stadt. In dieser Auseinandersetzung wird deutlich, dass der Begriff der modernen Architektur widersprüchlich besetzt wird.

Die Diplomarbeit von Thomas Grievink (*1987, Dordrecht NL) bezieht sich auf den Mies van der Rohe-Hof-Typus des LVR (Landschaftsverband Rheinland) Landeshauses am Rhein. Dieser Typus wird angewendet als Überbrückung der Nord-Süd-Fahrt, direkt neben dem WDR Archivhaus. Es entsteht eine Bürolandschaft oberhalb der Straße, in die man als Fußgänger, Fahrrad- und Autofahrer hineinblicken kann.

In den vier anderen Diplomarbeiten wird die Art relativiert oder ihr radikal widersprochen, wie einige Fachleute bestimmte Beispiele der Kölner Wiederaufbauarchitektur als ‘richtig modern’ bewertet haben, im Gegensatz zu anderen Beispielen die sie als ‘nicht richtig modern’ bezeichnet haben.

Die Diplomarbeit von Faye Hermens (*1987, Geleen NL) ist eine Würdigung des Blau-Gold-Hauses gewidmet, während Walter Prigge dieses Haus am Domplatz negativ bewertet hat (als Gegenbeispiel für seine positive Bewertung der Bauhaus-Mentalität des LVR Landeshauses).

Ebenso zeigt die Diplomarbeit von Sven Jansse (*1987, Rotterdam NL), wie ein ‘katholischer’ (= eklektizistischer) Hauch in der sachlichen Architektur Kölns als eine positive Anregung genommen werden kann für das Weiterbauen an der Stadt. Jansse schlägt vor statt USA-Bauhaus (= Mies van der Rohe in den USA) eher zum Beispiel Oscar Niemeyer’s Brasilianischer Architektur als Bezugsmöglichkeit zu wählen, um in der Stadt die urbane Klammer der WDR-Bauten ab Wallrafplatz bis zum WDR-Archivhaus teilweise als Aussichtsplatz zu gestalten, der sich einige Etagen oberhalb vom Erdgeschoss befindet. Von diese für Fußgänger zugänglicher Ebene kann die Stadtfigur als Ganzes wahrgenommen werden.

Aber auch anstatt ‘weniger Bauhaus’ kann manchmal, an anderen Stellen in der Stadt, gerade etwas mehr Bauhaus-Didaktik (in der Art von Paul Klee’s Gleichgewichts- und Oskar Schlemmer’s Szenografie-Übungen) sinnvoll sein. Die Diplomarbeit von Yuri Buteyn (*1985, Maastricht NL) schlägt einen neuen Baukörper neben dem Maritimhotel vor. Das künstlerische Erbe Gottfried Böhm’s und dessen organischer Gestaltungsart wird erneut Richtung Bauhaus (so wie Böhm selbst angefangen hat) orientiert, um hier – zusammen mit dem Maritimhotel als Brückenkopffigur – elegant und leicht zu wirken. 

Die Diplomarbeit von Murat Arslan (*1987, Göksun TR) nimmt die von Speer und Partner vorgeschlagene Kontur eines Hochhauses am Rudolfplatz als Unterbau, passt diese Kontur an, mit abgerundete Formen, und reaktiviert damit die Modernität des ehemaligen Opernkaffees (das an diesem Ort, auf der anderen Seite der Straße stand).

Jos Bosman, TU Eindhoven

Kontakt : jos.bosman@tue.nl, +31 6 289 83 185

 

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